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Blankes Entsetzen in den westlichen Medien: der "Irre von Teheran"  (BILD) hat die Wahlen im Iran gewonnen. Im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit, unerwartet und natürlich sofort angezweifelt - sowohl im Land Iran selbst von seinem Gegner Mussawi (der nur im direktetn Vergleich mit Ahmadinedschad als Ausbund von Liberalität erscheint). Wahlfälschung wird schnell unterstellt und es mag sein, dass die Wahlen tatsächlich nicht so korrekt verlaufen sind, wie  - sagen wir mal - in den USA solche Wahlen verlaufen.

Mich beschleicht allerdings das Gefühl, dass hier auch einfach ein ganz dummer Unfall passiert sein könnte: Möglicherweise hat eine leidlich demokratische Wahl stattgefunden und ein dem Westen und einem Teil der iranischen Bevölkerung nicht genehmer Herr hat gewonnen. So einfach könnte es sein.

Aus einem vermeintlichen Kopf an Kopf Rennen hat sich eine einseitige Veranstaltung entwickelt. Fragt sich, wie sehr die Berichtererstatter, unsere Berichterstatter, dem Charme einer vermeintlichen Stimmung in der Hauptstadt Teheran und eines Teils der Bevölkerung, nämlich des Teils der Bevölkerung, der sich im Vorfeld der Wahlen artikulieren konnte und wollte, erlegen sind.

Der Iran ist aber nun einmal kein "urbanes" Land. Ein großer Teil Landbevölkerung, ein großer Teil der Bevölkerung in den Städten die nicht zur aufgeklärten schmalen Mittelschicht und schon gar nicht der noch schmäleren Oberschicht gehören, waren am Ende vielleicht einfach diejenigen die Ahmadinedschad wieder - und ganz korrekt - ins Amt gehievt haben.

Und wer da glaubt, sowas gibt es nicht, der schaue doch einmal nach Bayern und vergleiche die CSU-Ergebnisse in den ländlichen Bereichen mit denen der SPD-Hochburg München ;-)

Für den Iran und für die Rolle Irans in der Welt ist das keineswegs erfreulich. Selbstverständlich ist Ahmadinedschad als Holocaust-Leugner und als Vertreter eines Staates, der für mittlelalterliche Rechtssprechung und Inkompetenz in vielen Bereichen des Staatswesen steht, ein Menetekel für den Iran und die Welt für die nächsten vier Jahre. Die Politik wird damit umgehen müssen.

fs

PS1: Aber jetzt wird doch noch alles gut, denn Jürgen Trittin fordert  "...so schnell wie möglich eine glaubhafte Untersuchung über das Ausmaß von Wahlfälschungen... Bundesregierung, EU und die internationale Gemeinschaft müssen dies mit Nachdruck einfordern." Jürgen Trittin, Jürgen Trittin - wer war das nochmal? Ach ja, der ehemals schnaubärtige Grünen-Politiker, der seit einigen Jahren nur noch mit Anzug und Krawatte durchs Politikerleben schleimt und dessen Forderungen in der internationalen Gemeinschaft sicher unvergleichliches Gewicht haben. Ganz zu schweigen in Teheran selbst. Jürgen Trittin: da wird bei Herrn Ahmadinedschad ab sofort Muffensausen vom Allerfeinsten einsetzen...