Neuer Deutscher Jazzpreis 2011 in Mannheim am 11./12.3.2011

Es ist kein schlechtes Zeichen, wenn einem die Veranstaltung "Neuer Deutscher Jazzpreis" mittlerweile gar nicht mehr so "neu" vorkommt. Mit der sechsten Ausgabe der Veranstaltung spielt man längst auf Augenhöhe mit den renommierten Veranstaltungen der "Jazzpreis-Branche" mit und die einzigartige Konstruktion eines Publikumspreises, bei dem letztlich die Zuhörer am Wettbewerbsabend den Preisträger aus einer Auswahl von drei Bands küren, verschafft dem Wettbewerb eine erfrischende Note.

Eine gewisses Fachwissen, das bei „typischen“ Jazzpreisen durch die Auswahl einer Fachjury bereits das Endergebnis bestimmt, fließt natürlich auch in den „Neuen Deutschen Jazzpreis“ mit ein. Knapp über 200 Bewerbungen wurden für die 2011er Ausgabe vorgehört und von einer ersten Jury, bestehend aus Musikern und Journalisten, beurteilt. Eine kleine Auswahl wurde an den Kurator der Veranstaltung - in diesem Jahr der Pianist Bojan Z. - weitergegeben, und der wählte schließlich die drei Bands für Samstag den 12.3., den Wettbewerbsabend, aus.

 

Michael Wollny - Fotografie: Frank Schindelbeck
Michael Wollny - Foto: Frank Schindelbeck

Im vergangenen Jahr hatten die Besucher die Wahl zwischen 3 Piano-Trios und auch in diesem Jahr ist das Trio die Besetzung der Wahl. Glücklicherweise ist das Spektrum dieser drei Trios allerdings weit gefächert. Die arrivierteste der drei Bands ist sicherlich [em], das Trio mit Michael Wollny (P), Eva Kruse (b) und Eric Schäfer (dr). Die drei Musiker spielen bereits seit 2005 zusammen und haben die Herzen der Kritiker aller Feuilletons gestürmt, die ihnen bescheinigten sie seien „das aufregendste Pianotrio der Welt“ (ZEIT) oder eine besondere Note attestierten: „In diesem Pianotrio gelten eigene Gesetze“ (Stereo). Favoriten? Ja, vielleicht - aber das Mannheimer Publikum hat schon gelegentlich die Kritikerlieblinge links liegen lassen und sich ganz eigene Favoriten nach anderen Kriterien erwählt. Andererseits dürfte sich das Trio eine gewisse Fangemeinde bei Enjoy Jazz erspielt haben...

Wie wird man Neuerdeutscherjazzpreis-Sieger? Exzellente Musik sollte es sein aber es gehört in Mannheim mehr dazu: eine coole Bühneperformance und eine authentische Kommunikation mit dem Publikum - das sind nicht zu unterschätzende Aspekte. Ein populärer Ansatz der Musik kann ein anderer sein, sprich: Jazz mit Rockelementen oder Electronica erhöht möglicherweise die Chancen auf die Gunst des Publikums.

Nicht nur insofern sind die beiden anderen Bands des Abends definitiv keine Staffage. "Studnitzky“ ist nach dem Leader der Band, Sebastian Studnitzky (tp/p) benannt und mit ihm spielen Paul Kleber (b) und Tommy Baldu (dr). Erwarten darf man: „einfache Songstrukturen und ein(en) Sound, der einen Bogen über die Kompositionen spannt...“ - wenn die Einschätzung der Jazzthetik zutreffend ist.

Das Zodiak Trio mit John-Dennis Renken (tp, electr, loops), Andreas Wahl (egt, E-bow, loops) und Bernd Oezsevim (dr, perc) packt es noch eine Stufe härter: „rockige Grooves und Drum’n’Bass- Rhythmen treffen auf prägnante Themen“ - mit einem ähnlichen Ansatz hat auch schon einmal ein Frederik Köster den Neuen Deutschen Jazzpreis mit nach Hause genommen.

Prognosen sind also schwierig und der Jazzblogger gibt auch keine ab. Vorab kann man sich aber schon einmal ein „Hör-Bild“  machen, es folgen die Links zu den Websites der Bands:

[em] http://www.em-trio.de
Studnitzky http://www.studnitzky.de
Zodiak Trio http://www.zodiak-trio.de

 

Rainer Pusch - Foto: Schindelbeck

Über den Wettbewerbsabend, Samstag, den 12.3. sollte man auf keinen Fall den Vorabend vergessen, denn da steht der Kurator der Veranstaltung, Bojan Z., selbst auf der Bühne und präsentiert als Gast den französischen Saxophonisten Julien Lourau. Zudem spielt wieder eine hochklassige regionale Band - eine erfreuliche Tradition beim Jazzpreis - in diesem Jahr ist es der weitgereiste Rainer Pusch, der diesmal seine Erfahrungen mit indischer Musik auf die Bühne der Alten Feuerwache bringt.

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